Re:publica 2014: Hello, I’m your Internet. Nice to meet you!

by Kathrin, 7. May 2014, 1 comment


Ich bin auf der re:publica. Der res publica. Der übersetzt öffentlichen Sache, die zur Konferenz wurde. Nein, nicht zur Konferenz. Zum Happening eigentlich. Die öffentliche Sache, die alljährlich auch eine Vielzahl an ÖsterreicherInnen, so wie auch mich, nach Berlin lockt. Zum Netzwerken, zum Inspirieren und zur Inspiration. Und auch ein bisschen zum Feiern, welches fast entschuldigend auch in der Eröffnungsrede erwähnt wurde.

Alle Jahre wieder. re:publica. Blogger Konferenz. Online Konferenz. Barcamp auf Speed. DIE Konferenz im deutschsprachigen Raum für die Netzgemeinde. The Place To Be für unsereiner. “Du machst online? Dann sehen wir uns auf der re:publica.” Das hört man von März bis April sehr oft in Wien. Auf einschlägigen Veranstaltungen, in Facebook Gruppen und beim Kaffetscherl im Kafka am Wochenende.

Online machen. Ja, das tun wir wohl alle irgendwie. Doch Online machen, was heißt das eigentlich?

Einmal im Jahr bekomme ich auf der re:publica vor Augen geführt,  dass das Internet mehr ist als Online Ads, Blogger Relations und Reichweite auf Facebook Seiten. Mehr ist, als das Internet mit dem ich tagtäglich arbeite. Es ist ein gesellschaftliches Phänomen. Und während man sich in einschlägigen Facebook Gruppen, vor und für Kunden noch um die meisten Clicks, Likes oder Shares battle-t, entgleitet uns dieses Internet langsam aber sicher. Und während es das tut – Stichwort Überwachungsskandal oder #Totalüberwachung und #Spähangriff, wie Sascha Lobo sagen würde – verweilen wir in unserer bunten Ecke des Internets, die unser Alltag ist, die wir kennen und lieben gelernt haben, die uns unterhält/informiert/verkauft und uns hilft andere zu unterhalten/informieren/bewerben. Wir sprechen über die “einfachen Dinge”, anstatt die schwierigen Themen anzugehen. Tag für Tag. Wer anderer wird’s schon richten. Muss ja nicht unbedingt ich sein. Verständlich. Denn mit dem kommerziellen, bunten Netz lässt sich Geld verdienen. Und das ist auch gut so finde ich. Auch das ist anstrengend und nimmt Zeit in Anspruch. Und ja, es braucht Menschen, die Unternehmen erklären, wie “Internet und Business” geht, die Ängste und Vorbehalte abbauen und viele von Ihnen machen einen wirklich fantastischen Job. Das “Backend unseres Internets” jedoch ist kompliziert und leider für diejenigen, die sich tatsächlich darum kümmern und die dafür kämpfen, dass wir auch weiter entsprechende Rahmenbedingungen vorfinden, sich mit Politik und Verbänden auseinandersetzen, alles andere als lukrativ. “Im Backend” unseres Internets überlassen wir die Bühne und auch die Arbeit gerne den Ideologen, die das aus Überzeugung machen sollen. Lukrativ? Fehlanzeige. Wichtig? Naja eigentlich ja schon. Erreichen sie etwas ist das schon sehr cool. Ein Like wert. Vielleicht sogar einen Tweet. Und wir freuen uns dadurch zumindest dabei zu sein. Beim Kampf gegen die Bösen. Wir sind die “Good Weather Friends” derer, die sich wirklich für Netzpolitik einsetzen. Derer, die das immer tun. Und nicht zur 3 Tage lang in Berlin. Und ich gebe zu: Das ist das, was mir die re:publica besonders in diesem Jahr vor Augen geführt hat. Wir haben es uns bequem gemacht in unserer bunten Ecke des Internets und ich finde es ist wichtig, auch mal dahin zu schauen, wo’s finster ist und ungemütlich und zugegebenermaßen auch ein kleines bisschen beängstigend. Denn wenn wir nicht endlich anfangen die dunklen Ecken des Internets zu erkunden, zu verstehen und vielleicht auch dem einen oder anderen Kunden (Stichwort: Festplattenabgabe, Netzneutralität, …) zu erklären, welche Auswirkungen gewisse netzpolitische Gegebenheiten auf deren Business haben können, wird es schwierig den Menschen, die tatsächlich unser Internet beschützen zu den (finanziellen) Mitteln und Kontakten zu verhelfen, die sie brauchen um diese Arbeit weiter zu machen, erfolgreich zu machen. Ist es unsere Aufgabe als “professionelle Internet-Erklärer” Unternehmen neben den werblichen Chancen (und Risiken) des Internets auch Themen der Netzpolitik nahe zu bringen? Verschrecken wollen wir sie verständlicherweise nicht. Wegschauen aber eigentlich auch nicht. Was also tun? Offengesagt: Ich weiß es nicht so genau. Und in alter Barcamp-Manier, in der eine Session nicht immer Information liefern sondern auch Diskussion anregen kann, ist dieser Beitrag auch entstanden.

Fakt ist: ich habe zum ersten Mal ernsthaft über meine Rolle, meine Verantwortung in Bezug auf Netzpolitik nachgedacht und das ist meiner Meinung nach schonmal ein großer Erfolg für eine Konferenz, wenn sie zum Nachdenken anregen kann. Ja, ich mag die re:publica. Weil sie mehr ist als eine Online Konferenz. Sie ist eine Politainmentveranstaltung mit Fokus Internet und sie bringt mich persönlich dazu, über Dinge nachzudenken, die im Arbeitsalltag leider oft zu kurz kommen. Zu hoffen bleibt nun eigentlich nur, dass der Effekt (bei mir und vielleicht auch anderen) etwas länger anhält, als es Mathias Neumayr in seinem bezeichnendem Tweet nach Sascha Lobos Rede zum Thema “Das Netz ist kaputt” anklingen lässt…

re:publica 2014 - Tweethttps://twitter.com/apo__/status/463706652655755264

1 Kommentar

  1. Schwieriges Thema und auch ich kenne die Antwort nicht. Aber danke für das Anstoßen einer Diskussion, die hoffentlich weitergeht! Vielleicht ja auf einem Eurer nächsten Events!

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