Digitalista-Studie: Gender Pay Gap auch in der Digital-Branche – Chancengleichheit steigt jedoch

by Susanne, 11. June 2015, 0 comments

  • Freizeit immer wichtiger als Karriere
  • Höhere Job-Zufriedenheit bei Selbstständigen und Eigentümern
  • Generell hohe Zufriedenheit in der Branche

Bereits zum zweiten Mal in Folge beleuchtet Digitalista zusammen mit dem Marktforschungsunternehmen MindTake Research die österreichische Digital-Branche. Mehr als 500 Befragte[1], allesamt tätig im Online-Bereich von Konzeption, Social Media Management bis hin zu Design und Entwicklung, geben Einblicke wie die Branche denkt, wie wichtig Karriere für sie ist und was sie verdient. Diskutiert wurden die Ergebnisse am 10. Juni mit Bundesministerin für Familie und Jugend Sophie Karmasin, ambuzzador-Geschäftsführerin Sabine Hoffmann, Whatchado-COO Lena Pösl sowie Kununu-Geschäftsführer Florian Mann unter der Moderation von Digitalista-Gründungsmitglied Susanne Liechtenecker.

Präsentation der Digitalista-Studie 2015
Das Podium diskutierte die Studienergebnisse: Martina Neidhart (MindTake), Florian Mann (kununu), Susanne Liechtenecker (Digitalista), Bundesministerin Sophie Karmasin, Sabine Hoffmann (ambuzzador), Lena Pösl (whatchado)

Gender Pay Gap auch in der Digital-Branche
Auch in der österreichischen Digital-Branche gibt es einen Gender Pay Gap. Das Durchschnittsbruttogehalt der Vollzeit berufstätigen Frauen beträgt EUR 2.860, während das der Männer EUR 3.340 beträgt. Der Gender Pay Gap wird auch instinktiv empfunden: So sagen 35 % der Frauen, dass sie weniger als ihre männlichen Kollegen in gleicher oder ähnlicher Position im Unternehmen verdienen, aber nur 16 % der Männer schließen sich dieser Aussage an. Denn 39 % der Männer sagen, dass sie gleich viel wie ihre männlichen Kollegen verdienen, was nur auf 23 % der Frauen zutrifft. Generell ist jedoch mehr als die Hälfte (54 %) der Digital Worker mit ihrem bzw. seinem Gehalt zufrieden und der Meinung, angemessen zu verdienen. Österreichs Digital-Branche verdient gut, gehört aber nicht zu den Besserverdienern. Denn 34 % aller Digitalen (die ihr Gehalt genannt haben) verdienen € 2.000 – € 2.999 brutto im Monat, 20 % bis zu € 1.000 mehr. Lediglich 8 % bekommen über € 5.000 aufs Gehaltskonto überwiesen.Infografik_Gehälter_Digital-Branche

Frauen fragen öfter nach Gehaltserhöhung
„Es ist überraschend, dass in einer progressiven Branche wie dieser, ebenfalls ein Gender Pay Gap herrscht. Mehr und mehr Frauen nehmen das nicht hin und und fragen aktiv nach Gehaltserhöhungen und Beförderungen. Dass das funktioniert, zeigt auch die hohe Erfolgsquote,“ so Martina Neidhart von MindTake. 22 % aller Studienteilnehmerinnen und Teilnehmer fragten in den letzten 12 Monaten eine Beförderung an, um 8 % weniger als im Vorjahr. Wobei hier mehr Frauen (27 %) als Männer (17 %) einen Gehaltssprung eingefordert haben. Dass eigentlich kein Grund zur Zurückhaltung besteht, zeigt, dass 74 % aller, die nach einer Beförderung gefragt haben, diese auch bekommen haben.statement5_final

Beide Geschlechter sehen Familienplanung als Karrierekiller
Nach Karrierekillern gefragt, zeigen sich hier auch teilweise große Geschlechterunterschiede. Während beide Geschlechter mangelnde Aufstiegschancen im Unternehmen als größtes Hindernis bewerten (53 % Männer, 55 % Frauen), sehen Frauen die Familienplanung (43 %) sowie kein Selbstvertrauen (29 %) als weitere Hindernisse. Männer sehen dagegen einen Umzug (33 %) aber auch die Familienplanung (31 %) als Stolperstein.

Karrierehürden-Frauen-Digital-Branche Karrierehürden-Männer-Digital-Branche

Chancengleichheit steigt
Generell zeigt sich, dass langsam aber sicher der Weg zur Chancengleichheit beschritten wird. Sagen zwar immer noch 59 %, dass Männer die besseren Chancen haben, sind es dennoch 11 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. 34 % sehen bereits Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern in der Digitalbranche, eine Zunahme um 7 Prozentpunkte.

18Elisabeth Oberndorfer, Obfrau von Digitalista dazu: „Es freut, dass Männer und Frauen endlich auf dem richtigen Weg zur Chancengleichheit sind. Vor allem ist es erfreulich zu sehen, dass sich innerhalb eines Jahres die Stimmung teilweise bereits sehr stark gedreht hat. Wir werden weiterhin mit unserem Angebot an Events, Networking-Möglichkeiten und Workshops daran arbeiten, gleiche Chancen für Frauen und Männer im Digital-Bereich zu erreichen.“

Unabhängigkeit definiert Erfolg
Große Änderungen im Vergleich zum Vorjahr gibt es auch bei den erfolgsgebenden Faktoren. Unabhängiges Arbeiten rangiert auf Platz 1 (79 %) als Definition für beruflichen Erfolg. Anerkennung im beruflichen Umfeld sehen weiterhin 77 % als Erfolg im Job, aber um 11 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Dies ist auch der einzige geschlechterdifferenzierte Punkt: Während 82 % der Frauen berufliche Anerkennung mit Erfolg in Verbindung setzen, sind es nur 72 % der Männer. Dafür wird viel Freizeit (44 %) heuer wesentlich häufiger als Erfolgsfaktor gesehen also noch 2014 (+8 % zum Vorjahr).statement2_final

Freizeit wird immer wichtiger als Karriere
Zeitgleich sinkt auch die Wichtigkeit Karriere zu machen. 48%, und damit um 8% weniger als noch 2014, ist Karriere wichtig bzw. außerordentlich wichtig. Wieso das so ist? Der Großteil (70 %) jener, denen Karriere nicht so wichtig ist, ist der Meinung ausreichend zu verdienen, um ein gutes Leben zu führen. 63 % definieren Erfolg nicht durch den Beruf und 61 % legen großen Wert auf Freizeit. „Ein Trend, der sich seit einiger Zeit in etlichen Karriere-Umfragen widerspiegelt, hat auch die Digital-Branche erreicht. Für ArbeitgeberInnen wird es in den kommenden Jahren noch wichtiger, dafür auch entsprechende Angebote zu entwickeln“, so Martina Neidhart von MindTake.statement3_final

Große Zufriedenheit in der heimischen Digital-Branche
Dennoch oder darum herrscht in der österreichischen Digital-Szene weiterhin große Zufriedenheit. Mehr als 60 % sind zufrieden bzw. außerordentlich zufrieden mit ihrer aktuellen Position. Im Gegensatz zum Vorjahr gibt es heuer keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Die größte Zufriedenheit herrscht unter den Eigentümern und Selbstständigen mit 88 %. Einer der Gründe dafür ist, dass sich 82 % in ihrer Position voll und ganz entfalten können und Management sowie Angestellte in diesem Punkt weit hinter sich lassen (60 % bzw. 45 %). Auch mit der Karriereleiter steigt die Zufriedenheit: Alle im Management Tätigen sind um 9 Prozentpunkte zufriedener als Angestellte ohne Führungsfunktion. „Wie auch unsere Studie im vergangenen Jahr bereits gezeigt hat, ist die Digital-Branche generell eine sehr glückliche. Die Gründe sind sicherlich vielfältig: Internationalität, wenig starre Strukturen und Hierarchien und das große Potenzial zur Selbstverwirklichung“, kommentiert Elisabeth Oberndorfer, Obfrau von Digitalista die Studienergebnisse.


[1] n=511, befragt zwischen 10.4. und 18.5.2015, Frauen und Männer, die in der österreichischen Digital- bzw. Online-Branche tätig sind, d.h. deren Tätigkeit im wesentlichen Teil aus der Konzeption, Umsetzung bzw. Entwicklung oder Betreuung von Online-Aktivitäten bzw. der Kommunikation im Internet besteht.

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